Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft nimmt mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt Abschied von Prof. Eugene Braunwald, der am 22. April 2026 im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die internationale Herzmedizin eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Kaum ein anderer Arzt und Wissenschaftler hat das Verständnis, die Diagnostik und die Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen über so viele Jahrzehnte so nachhaltig beeinflusst.
Eugene Braunwald wurde 1929 in Wien geboren. Seine Kindheit in Österreich endete abrupt nach dem „Anschluss“ 1938: Als jüdisches Kind musste er mit seiner Familie vor der nationalsozialistischen Verfolgung fliehen. 1939 gelangte die Familie in die Vereinigten Staaten. Dort begann jener außergewöhnliche wissenschaftliche und klinische Weg, der Braunwald zu einer der zentralen Figuren der modernen Kardiologie machen sollte.
Nach Studium und medizinischer Ausbildung an der New York University sowie der internistischen Ausbildung am Johns Hopkins Hospital wandte sich Braunwald früh der kardiovaskulären Forschung zu. Prägende Stationen waren unter anderem seine Arbeit mit André Frédéric Cournand, einem der Pioniere der klinischen Herz-Kreislauf-Physiologie, sowie seine Tätigkeit an den National Institutes of Health. Später war Braunwald Gründungsdirektor der Inneren Medizin an der University of California, San Diego, bevor er an das Brigham and Women’s Hospital und die Harvard Medical School in Boston wechselte, wo er Generationen von Ärztinnen, Ärzten und Forschenden ausbildete und prägte.
Wegweisende Forschung für die moderne Kardiologie
Braunwalds wissenschaftliches Werk umfasste zentrale Bereiche der Herzmedizin: die Hämodynamik, die kardiale Mechanik, den myokardialen Sauerstoffverbrauch, die hypertrophe Kardiomyopathie, die Herzinsuffizienz und die Behandlung des akuten Myokardinfarkts. Seine Arbeiten trugen wesentlich dazu bei, die Funktion des linken Ventrikels klinisch besser zu erfassen und Krankheitsprozesse des Herzens nicht nur zu beschreiben, sondern therapeutisch gezielt zu beeinflussen.
Bahnbrechend war insbesondere seine Erkenntnis, dass der Myokardinfarkt kein plötzlich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein dynamischer Prozess, bei dem bedrohtes Myokard durch rasches therapeutisches Eingreifen gerettet werden kann. Dieses Konzept war eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung moderner Reperfusionsstrategien und hat die Behandlung des akuten Koronarsyndroms nachhaltig verändert. Was heute in der klinischen Routine selbstverständlich erscheint – rasche Diagnostik, frühzeitige Revaskularisation, antithrombotische Therapie und konsequente Sekundärprävention – steht in direkter Verbindung mit jenen wissenschaftlichen Fragen, die Braunwald über Jahrzehnte verfolgte.
1984 gründete Braunwald am Brigham and Women’s Hospital die Thrombolysis in Myocardial Infarction Study Group (TIMI). Aus dieser Initiative entstand eines der einflussreichsten klinischen Studienprogramme der Kardiologie. TIMI-Studien prägten die Evidenzbasis für die Therapie des Myokardinfarkts und akuter Koronarsyndrome ebenso wie für antithrombotische Strategien, Lipidsenkung und weitere zentrale Bereiche der kardiovaskulären Medizin.
Lehrer, Mentor und Autor von Weltrang
Neben seiner Forschung war Braunwald ein herausragender akademischer Lehrer. Als langjähriger Professor an der Harvard Medical School, Department Chair am Brigham and Women’s Hospital und Mentor zahlreicher späterer Führungspersönlichkeiten prägte er die internationale kardiologische Gemeinschaft weit über seine eigenen Publikationen hinaus. Sein Name ist untrennbar mit dem Standardwerk Braunwald’s Heart Disease: A Textbook of Cardiovascular Medicine verbunden; darüber hinaus war er über viele Jahre an Harrison’s Principles of Internal Medicine beteiligt. Damit beeinflusste er nicht nur die Forschung, sondern auch die Ausbildung unzähliger Ärztinnen und Ärzte weltweit.
Seine wissenschaftliche Produktivität war außergewöhnlich. Braunwald veröffentlichte mehr als 1.000 peer-reviewte Arbeiten und blieb bis ins hohe Alter intellektuell präsent, neugierig und der Zukunft der Herzmedizin zugewandt. Seine Kolleginnen und Kollegen beschrieben ihn als präzisen Denker, großzügigen Mentor und Arzt, dessen Forschung immer dem Ziel verpflichtet war, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern.
Bedeutung für Österreich
Für die österreichische Kardiologie hat Eugene Braunwald eine besondere Bedeutung. Sein Lebensweg erinnert auch an den Verlust, den die Vertreibung jüdischer Wissenschafterinnen und Wissenschafter durch das nationalsozialistische Regime für Österreich bedeutete. Zugleich steht Braunwalds Biografie für wissenschaftliche Exzellenz, Humanismus und die Kraft einer akademischen Medizin, die Erkenntnisgewinn immer mit klinischer Verantwortung verbindet.
Die Medizinische Universität Wien würdigte Braunwald bereits 2014 als Ehrengast und Keynote Speaker anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens. Im neuen Zentrum für Translationale Medizin der MedUni Wien wird ein Hörsaal seinen Namen tragen – ein sichtbares Zeichen dafür, dass sein Vermächtnis auch in seiner Geburtsstadt lebendig bleibt.
Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft trauert um einen der großen Wegbereiter der modernen Herzmedizin. Sein wissenschaftliches Werk lebt in der täglichen Behandlung kardiologischer Patientinnen und Patienten weiter. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Weggefährtinnen und Weggefährten sowie der weltweiten kardiologischen Gemeinschaft.
Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft nimmt mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt Abschied von Prof. Eugene Braunwald, der am 22. April 2026 im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die internationale Herzmedizin eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Kaum ein anderer Arzt und Wissenschaftler hat das Verständnis, die Diagnostik und die Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen über so viele Jahrzehnte so nachhaltig beeinflusst.
Eugene Braunwald wurde 1929 in Wien geboren. Seine Kindheit in Österreich endete abrupt nach dem „Anschluss“ 1938: Als jüdisches Kind musste er mit seiner Familie vor der nationalsozialistischen Verfolgung fliehen. 1939 gelangte die Familie in die Vereinigten Staaten. Dort begann jener außergewöhnliche wissenschaftliche und klinische Weg, der Braunwald zu einer der zentralen Figuren der modernen Kardiologie machen sollte.
Nach Studium und medizinischer Ausbildung an der New York University sowie der internistischen Ausbildung am Johns Hopkins Hospital wandte sich Braunwald früh der kardiovaskulären Forschung zu. Prägende Stationen waren unter anderem seine Arbeit mit André Frédéric Cournand, einem der Pioniere der klinischen Herz-Kreislauf-Physiologie, sowie seine Tätigkeit an den National Institutes of Health. Später war Braunwald Gründungsdirektor der Inneren Medizin an der University of California, San Diego, bevor er an das Brigham and Women’s Hospital und die Harvard Medical School in Boston wechselte, wo er Generationen von Ärztinnen, Ärzten und Forschenden ausbildete und prägte.
Wegweisende Forschung für die moderne Kardiologie
Braunwalds wissenschaftliches Werk umfasste zentrale Bereiche der Herzmedizin: die Hämodynamik, die kardiale Mechanik, den myokardialen Sauerstoffverbrauch, die hypertrophe Kardiomyopathie, die Herzinsuffizienz und die Behandlung des akuten Myokardinfarkts. Seine Arbeiten trugen wesentlich dazu bei, die Funktion des linken Ventrikels klinisch besser zu erfassen und Krankheitsprozesse des Herzens nicht nur zu beschreiben, sondern therapeutisch gezielt zu beeinflussen.
Bahnbrechend war insbesondere seine Erkenntnis, dass der Myokardinfarkt kein plötzlich abgeschlossenes Ereignis ist, sondern ein dynamischer Prozess, bei dem bedrohtes Myokard durch rasches therapeutisches Eingreifen gerettet werden kann. Dieses Konzept war eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung moderner Reperfusionsstrategien und hat die Behandlung des akuten Koronarsyndroms nachhaltig verändert. Was heute in der klinischen Routine selbstverständlich erscheint – rasche Diagnostik, frühzeitige Revaskularisation, antithrombotische Therapie und konsequente Sekundärprävention – steht in direkter Verbindung mit jenen wissenschaftlichen Fragen, die Braunwald über Jahrzehnte verfolgte.
1984 gründete Braunwald am Brigham and Women’s Hospital die Thrombolysis in Myocardial Infarction Study Group (TIMI). Aus dieser Initiative entstand eines der einflussreichsten klinischen Studienprogramme der Kardiologie. TIMI-Studien prägten die Evidenzbasis für die Therapie des Myokardinfarkts und akuter Koronarsyndrome ebenso wie für antithrombotische Strategien, Lipidsenkung und weitere zentrale Bereiche der kardiovaskulären Medizin.
Lehrer, Mentor und Autor von Weltrang
Neben seiner Forschung war Braunwald ein herausragender akademischer Lehrer. Als langjähriger Professor an der Harvard Medical School, Department Chair am Brigham and Women’s Hospital und Mentor zahlreicher späterer Führungspersönlichkeiten prägte er die internationale kardiologische Gemeinschaft weit über seine eigenen Publikationen hinaus. Sein Name ist untrennbar mit dem Standardwerk Braunwald’s Heart Disease: A Textbook of Cardiovascular Medicine verbunden; darüber hinaus war er über viele Jahre an Harrison’s Principles of Internal Medicine beteiligt. Damit beeinflusste er nicht nur die Forschung, sondern auch die Ausbildung unzähliger Ärztinnen und Ärzte weltweit.
Seine wissenschaftliche Produktivität war außergewöhnlich. Braunwald veröffentlichte mehr als 1.000 peer-reviewte Arbeiten und blieb bis ins hohe Alter intellektuell präsent, neugierig und der Zukunft der Herzmedizin zugewandt. Seine Kolleginnen und Kollegen beschrieben ihn als präzisen Denker, großzügigen Mentor und Arzt, dessen Forschung immer dem Ziel verpflichtet war, die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern.
Bedeutung für Österreich
Für die österreichische Kardiologie hat Eugene Braunwald eine besondere Bedeutung. Sein Lebensweg erinnert auch an den Verlust, den die Vertreibung jüdischer Wissenschafterinnen und Wissenschafter durch das nationalsozialistische Regime für Österreich bedeutete. Zugleich steht Braunwalds Biografie für wissenschaftliche Exzellenz, Humanismus und die Kraft einer akademischen Medizin, die Erkenntnisgewinn immer mit klinischer Verantwortung verbindet.
Die Medizinische Universität Wien würdigte Braunwald bereits 2014 als Ehrengast und Keynote Speaker anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens. Im neuen Zentrum für Translationale Medizin der MedUni Wien wird ein Hörsaal seinen Namen tragen – ein sichtbares Zeichen dafür, dass sein Vermächtnis auch in seiner Geburtsstadt lebendig bleibt.
Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft trauert um einen der großen Wegbereiter der modernen Herzmedizin. Sein wissenschaftliches Werk lebt in der täglichen Behandlung kardiologischer Patientinnen und Patienten weiter. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Weggefährtinnen und Weggefährten sowie der weltweiten kardiologischen Gemeinschaft.